Die Bolivienreise – ein Reisebericht von Barbara Moewis

Samaipata ist ein Dorf in Bolivien. Es liegt östlich der Anden und westlich des bolivianischen Tieflandes auf 1646m Höhe. Zurzeit hat es ca. 5000 Einwohner, davon um die 5% Menschen anderer Nationalitäten. Da das Dorf historisch gewachsen ist, ist der Anteil an indigener Bevölkerung sichtbar und hörbar. Ihre Sprache, das Quechua, wird hier noch gesprochen. Auch der Name des Dorfes, SAMAIPATA stammt aus der Quechua-Sprache und bedeutet „ Ruhe in der Höhe“.

Das Dorf wirkt beschaulich und ruhig, umgeben von einer grandiosen Natur. So liegt z.B. der Amboro Nationalpark unweit in nördlicher Richtung.

Die größte Sehenswürdigkeit in der Umgebung ist der 6 Kilometer östlich auf einem Berg gelegene EL FUERTE, einer mystische Stätte mit besonderen Gravierungen und Ausgrabungen an den Längsseiten und einem wunderbaren Ausblick in die weite Landschaft. Viel weiss man nicht über die Ruinen. Legenden erzählen von einer Inka-Kultur – und Einweihungsstätte bis hin zum UFO Landeplatz. 1989 wurde der Platz von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt. 

In der Nähe davon laden La Cascadas zum baden, staunen und verweilen ein. Hier begegnet man mit etwas Glück auch den unglaublich schönen, blauen Schmetterlingen.

Somit ist Samaipata ein Anziehungspunkt für Touristen und ermöglicht es den Einwohnern mit kleinen Cafes/Restaurantes und Läden ihr Auskommen zu gestalten. Das „Tierra Libre“ mit seinen wunderbaren Gartenplätzen gefällt mir besonders gut. Auch deshalb, weil hier die Internetverbindung immer gut funktioniert.

Und auch La Vispera, mit seiner unglaublichen Aussicht und dem Bio-Essen ist ein Highlight. Allerdings liegt es etwas ausserhalb und oberhalb des Dorfes. Doch jedes Cafe hier hat seinen ganz besonderen Charme und alle bieten W-Lan an.

Jeden Tag bieten vor allem die indigenen Frauen frisches Obst und Gemüse an, wobei der Sonntag besonders viele Stände bietet und das Leben fühlbar wird.

Doch was hat mich eigentlich hierher geführt?

In Samaipata bzw. um das Dorf herum entsteht „Terra Universalis“, eine neue Form der Gemeinschaft. Ich bin seit Jahren auf der Suche nach Gemeinschaft und obwohl es davon einige in Deutschland gibt, war ich nie im Herzen berührt. Als ich Uta vor einigen Jahren zum ersten mal begegnete und von ihrer Vision von Terra Universalis hörte, wuchs meine Sehnsucht und klärte sich mit der Zeit meine eigene Vision von Gemeinschaft. Hier wurde ich im tiefsten Herzen berührt.

Doch ach, die Gemeinschaft soll in Bolivien, in Samaipata entstehen! Bolivien ist weit weg, ein anderer Kontinent, fremd, anders!

Es dauert eine gewisse Zeit, bis ich mir erlaube meine Begrenzung hinsichtlich des Ortes aufzugeben. Es ist an der Zeit herauszufinden, was ES will.

Im September 2017 ist es soweit: Ich reise für 7 Wochen nach Bolivien; erst einige Wochen vor Ort in Samaipata, dann eine 9 tägige Rundreise zu anderen Plätzen und Landschaftes diese wunderbaren Landes.

Mit mir reisen Uta und ihre Tochter Surya, die ein halbes Jahr bleiben wird und dort auch die Schule besuchen wird, Edith, Hildegard und Sophie mit ihrer kleinen Tochter Hannah. Die beiden wollen für zunächst ein Jahr bleiben.

Ich bin ganz gespannt, die Menschen vor Ort, die auf Gemeinschaft ausgerichtet sind, kennen zu lernen. Gibt es die Gemeinschaft schon? Was macht sie aus? Wie kann ich mir dort einen Platz geben?

Es fühlt sich von Anfang gar an nicht fremd an. Obwohl es so anders ist, als Deutschland.

Das Ankommen im Land auf dem anderen Kontinent auf der Südhalbkugel der Erde. Wir landen in Santa Cruz, welches im Tiefland liegt. Viel Grün, der Dschungel ist nah. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Bis Samaipata sind es noch ca. 3 Autostunden. Wir fahren endlos durch die Vororte von Santa Cruz. Inzwischen ist es warm geworden. Langsam nähern wir uns den Bergregionen und die Landschaft verändert sich. Das Land ist offen und weit, Hügel und Berge, alles ist grün. Als wir uns Samaipata nähern, verändert sich die Landschaft nochmals. Ich kann nicht sagen wie, doch die Formationen werden eindrücklicher, das Licht wird anders, es fühlt sich energetisch anders an. Mein Herz und meine Seele jubeln.

Wir wohnen alle erst einmal bei Alexandra und Alex in deren Hostel „Ivi Casa“. Ivi ist ein Quechua-Wort und bedeutet Tierra, also Erde. Ivi Casa liegt am Ortsrand, schön eingebettet in die Landschaft und das Dorf ist fußläufig zu erreichen Bei unserer Ankunft heisst uns Alexandra alle herzlich willkommen und es fühlt sich gleich wie zuhause an dort an. Alexandra und Alex leben dort mit ihren beiden jüngsten Kindern Gala und Nico und führen, seit ihre anderen Kinder aus dem Haus sind ein Hostel. Hier zu wohnen fühlt sich an wie in Familie zu sein, hier leben wir Gemeinschaft im Augenblick. Besonders gerne sitze ich unter dem großen, alten Baum im Garten hinter dem Haus. Hier kann ich einfach nur sein.

Sophie zieht nach einer Woche mit Hannah in ein kleines Häuschen in der Nähe des Hauses. Auf Dauer braucht sie die Eigenständigkeit; doch für eine begrenzte Zeit fühlt sich das Wohnen im Hostel für uns andere genau richtig an. Nicht als Gäste sondern als Mitbewohner leben wir hier. Wir sind im Austausch, essen miteinander, lernen zusammen spanisch und erkunden die Umgebung. Fast täglich gehen wir ins Dorf zum Einkaufen oder besuchen ein Cafe um ins Netz gehen zu können. Wir lernen Mercedes, eine Heilerin kennen, welche uns anbietet, mit ihr Kräuter sammeln zu gehen. Einmal machen wir einen Ausflug zum El Fuerte und spüren die unglaubliche Energie dieses Ortes.

Ivi Casa ist auch der Ort für Begegnung mit den Menschen vor Ort: Einmal in der Woche findet z.B. ein Yoga-Kurs mit Joanna statt, oder einmal im Monat eine Veranstaltung für die freie Schule, die vor einigen Jahren in Samaipata gegründet wurde. Während der Zeit unseres Aufenthalts gibt es eine Gesangsveranstaltung mit einer Opernsängerin aus Deutschland, die gerade auf einer Rundreise ist. Die Künstler arbeiten ehrenamtlich und über den Eintritt werden Gelder erwirtschaftet, die es ermöglichen, Kindern einen Platz in der Schule zu bieten, deren Eltern das nötige Schulgeld nicht aufbringen können.

Jede unserer kleinen Reisegruppe bringt sich auf ihre Weise ein: Uta bietet ihre Seminare an für die Menschen vor Ort. Ein Aufstellungsseminar findet in der Zeit statt, wobei wir Deutschen und die Bolivianer teilnehmen. Alexandra übersetzt von deutsch in spanisch und umgekehrt. Ja, wir müssen unbedingt spanisch lernen.

Edith kümmert sich um den Garten im Aufgang, der derzeitig etwas im Argen ist, Hildegard bringt finanzielle Unterstützung mit und ich biete morgens vor dem Frühstück Yoga an, für alle die mitmachen wollen.

Und nicht zu vergessen, Alex kocht des öfteren für die Familie und uns andere und ist für die öffentlichen Belange zuständig. Er hatte auch schon das Amt des Bürgermeisters von Samaipata inne.

Margot hat ebenfalls ein größeres Grundstück in der Nähe, mit zwei Häusern und plant dort eine Öko-Siedlung zu bauen und ein Haus für Volontäre.

Margot ist also die dritte im Bunde, neben Uta und Alexandra, welche die tragenden Säulen der Gemeinschaft sind. Anfangs erkenne ich das Gemeinsame nicht.

Uta mit ihrer Vision gibt die Ausrichtung und ermöglicht über ihre Arbeit anderen, ihre Konditionierung zu erkennen und loszulassen. Die neue Gemeinschaft braucht freie und bewusste Menschen. Alexandra mit ihrem großen Herzen und ihrem offenen Wesen empfängt die Ankommenden bei sich und heisst sie willkommen. Für Margot ist der ökologische Gedanke ausschlaggebend.

Doch im Laufe der Zeit, welche ich in Samaipata verbringe, wird es mir bewusst: Die neue Gemeinschaft hat keine Konzepte, keine Begrenzungen. Wenn ich aus meinen Bewertungen aussteige und mich entscheide Teil zu sein, gibt es die Gemeinschaft bereits, weil ich sie erfahre und lebe. Ich spüre, hier bin ich zuhause. Samaipata, ich komme wieder.

Angrenzend gibt es Land zu kaufen, um darauf kleine Häuser zu bauen und dort zu leben oder zeitweise zu wohnen. Diese Häuser sind erschwinglich – es wäre schön.

Barbara