Unsere Reise zu den Guaranis, einem indigenen Volk im Süden Boliviens – ein Reisebericht

Die Guarani sind eine indianische Ethnie, die bereits in präkolumbianischer Zeit als Ackerbauern im mittleren Südamerika siedelte und somit zu den indigenen Völkern Südamerikas zählt. Ihre Siedlungsgebiete gehören heute zu Paraguay, Bolivien, Argentinien, Brasilien und Uruguay.

Der Toyota Pickup der Guaranis bleibt stehen, wieder eine Panne? Nein, zum Glück nicht!

Wir sind nach einer 7-stündigen Fahrt von Muyupampa aus (Start 21.00 Uhr), über bessere und schlechtere Wege, darin enthalten etwa 10 bis 15 Flussdurchquerungen, in Tentayapi (Bedeutung: „das letzte Haus“) angekommen.

Dumm-dumm, Dumm-dumm“, klingen dumpf die rhythmischen Stöße, in der Dunkelheit um 4 Uhr morgens, beim Maisstampfen.

Ein schönes Willkommensgeschenk, so empfinde ich das. Wenige Schritte weiter wartet der Capitàn auf uns. Leise und mit wenigen Worten begrüßten sich Alex und Alexandra, unsere Gastgeber und Reiseführer und der Capitàn, die sich aus einer Arbeit mit dem Schweizer Roten Kreuz kennen.

Einige Hunde begrüßen bellend die Fremden, sind aber friedlich.

Wir werden verschiedenen Familien zugeteilt, die uns Gastgeber sind und uns Unterkunft gewähren. Leise, mit wenigen Worten und Gesten, werden wir aufgefordert unserer Gastgeberin zu folgen. 

Von Alexandra (die während der ganzen Reise unermüdliche Übersetzungs- und Organisationsarbeit leistet) begleitet, führt uns unsere Gastgeberin im Dunkeln durch das Dorf in eine Senke, dann wieder einige Minuten den Berg hinauf, zu unserer Unterkunft.

Edith und mir werden die Schlafstätten, die aus mit roher Haut gespannten, grob gezimmerten Holzrahmen und einer darauf gelegten Matratze bestehen, gezeigt. Müde von der langen Reise, packen wir die Schlafsäcke aus, kriechen hinein und schlafen ein. Ein erholsamer tiefer Schlaf in Stille.

Am Morgen stelle ich fest, dass das Haus auf zwei Seiten offen ist, der Blick nach draußen ist frei, die Luft ist klar und sauber, alles ist still. Auch unsere Gastgeber arbeiten bereits im Küchenhaus, Hühner und Hunde, Schweine und Rinder, alles läuft hier frei herum. Zwei der Hunde liegen unter unseren Betten, sind ganz leise und bewegen sich vorsichtig, als sie uns beschnuppern wollen.

Wir gehen ins Badehäuschen. Ja! Das gibt es hier, mitten in der Wildnis ein Badehaus, mit Dusche und WC, ein Waschbecken ist außen angebracht.

Auf ins Dorf zum Frühstück, den Berg hinunter ins Haus des Capitáns. Aus allen Richtungen treffen unsere Reisegefährten ein. Setzen sich und staunen über das Frühstück. Es besteht aus Rindssuppe mit Reis und Gemüse. Nur wegen uns wurde ein Rind geschlachtet. Im Dorf sind Kinder und Erwachsene, die um die Ecken lugen und uns vorsichtig beobachten.

Still ist es hier; obwohl die Kinder mit alten Reifen oder Thermosflaschen spielen, gibt es kein Geschrei!

Angie schleicht sich langsam an die Kinder heran, nimmt vorsichtig Kontakt mit ihnen auf. Später wird sie mit ihren mitgebrachten EM als Heilerin akzeptiert und gefragt, ob sie nicht bleiben möchte.

Alex, unser Reiseführer und Fahrer, führt mit dem Capitàn ein Gespräch, das heißt, Alex stellt eine Frage und der Capitàn antwortet mit Ja oder Nein, ab und an auch mit einem Satz. Das wichtigste Thema ist das Wasser, das hier sehr, sehr knapp ist. Wir erfahren, dass die Guarani eine 30 Kilometer lange Rohrleitung durch den Dschungel gelegt haben, damit das Wasser im Dorf reicht. Und dennoch kommt es immer wieder zu Engpässen und wasserlosen Tagen.

Ihr Wunsch ist es, ein Wasserauffangbecken zu bauen, damit in der Regenzeit, die ja bald ansteht, Wasser für eine längere Trockenperiode gesammelt werden kann.

Wir lassen eine gute Summe Dollars da, damit sie ihr Projekt verwirklichen können. Alex und Alexandra versichern uns, dass das Geld beim Capitàn in guten Händen ist und ausschließlich für den Bau des Wasserbeckens verwendet wird.

Hier möchten WIR helfen: Unsere Gedanken gehen zu den Sphärenanlagen von Madjid Abdellaziz und Urs Wirths. 

Zuhause bilden wir eine Wasserarbeitsgruppe, da möchten wir gerne unterstützen und helfend zur Hand gehen. Kontakte mit Urs Wirths und den Mitarbeitern von Madjid Abdellaziz werden geknüpft, Fachinformationen über die Wirkungsweise, und Preise eingeholt. Im Internet werden Erfahrungen, deren gibt es hier sehr viele, über die verschiedenen Anlagen gesammelt. Jetzt wollen wir gemeinsam an die Finanzierung dieses denken.

Danke an alle, die mit ihrem Beitrag das Projekt: „Wasser für Bolivien“ unterstützen!

Am Abend regnet es dann für etwa 3 Stunden, das reicht um die am nächsten Tag anstehende Rückfahrt unberechenbarer und noch abenteuerlicher werden zu lassen als die Hinfahrt. Die Flussdurchquerungen werden zu einer spannenden Angelegenheit, vor allem für Uta und Stefan, die hinten auf dem Pickup auf dem ganzen Gepäck reisen dürfen. Da gibt es immer wieder Wasser ins Gesicht und ungewollte Luftsprünge, wenn der Wagen die Uferböschung hinauf oder hinunter manövriert wird.

Gut kommen wir nach einer 5-stündigen Fahrt in Muyupampa an.